Wie wir den Tech-Konzernen den roten Teppich ausgerollt haben

Update, 9. September 2026: Dieser Text wurde nach der Erstveröffentlichung am 19. Juli 2026 überarbeitet und an mehreren Stellen ergänzt. Alle paar Wochen erscheinen in den Zeitungen Artikel, in denen sich Experten über die Macht der Tech-Konzerne beschweren. Die Analysen sind meistens zutreffend: Die Algorithmen verzerren demokratische Diskurse, die Daten werden zu Werbezwecken ausgebeutet, die Plattformbetreiber bleiben von Haftung befreit. Die Kritik ist richtig. Aber alle tun so, als wären diese Konzerne plötzlich vom Himmel gefallen. Sie beklagen die Macht, aber sie fragen nicht, wie diese Macht entstehen konnte. Sie prangern die Abhängigkeit an, aber sie verschweigen, wer diese Abhängigkeit überhaupt erst geschaffen hat. ...

19. Juli 2026 · 32 Minuten · 6775 Wörter

Warum der Zivildienst ein strukturelles Problem ist

Der Zivildienst wird in Österreich häufig als soziale Errungenschaft dargestellt. Bei genauer Betrachtung zeigt sich jedoch ein System, das mehrere strukturelle Probleme nicht nur in Kauf nimmt, sondern rechtlich absichert. Daher ist der Zivildienst kein Ausdruck von Solidarität, sondern ein Instrument, das Zwang, Lohndumping und schlechte Arbeitsbedingungen institutionalisiert. 1. Legitimierung der Wehrpflicht Der Zivildienst ist untrennbar mit der allgemeinen Wehrpflicht verbunden. Spätestens seit der Volksbefragung 2013 wurde er zum zentralen Argument für deren Beibehaltung. Ohne den Zivildienst hätte es kaum eine gesellschaftliche Mehrheit für die Wehrpflicht gegeben. Damit dient der Zivildienst faktisch als politisches Feigenblatt: Er macht ein Zwangssystem akzeptabler, ohne dessen Grundproblem zu lösen. Wer den Zivildienst verteidigt, stabilisiert damit automatisch auch die Wehrpflicht. ...

15. März 2026 · 9 Minuten · 1850 Wörter